Wie groß ist der ökologische Fußabdruck von Euro-Banknoten im Bargeldkreislauf in Deutschland?
Unsere neu veröffentlichte Studie berechnet den Product Environmental Footprint (PEF) für Euro-Banknoten im deutschen Bargeldkreislauf für das Jahr 2019. Sie wurde im Auftrag der Deutschen Bundesbank erstellt. Analysiert wurden die Phasen Ausgabe, Verteilung, Nutzung und Entsorgung – die Herstellung der Banknoten blieb außen vor. Grundlage ist die EU-weit anerkannte Environmental Footprint-Methode (Version 3.1).

Ergebnisse auf einen Blick:
- Die Umweltbelastung für die durchschnittlichen jährlichen Barzahlungen einer Person beträgt 80 µPt und 1,26 kg CO₂.
- Das entspricht weniger als 0,01 % der jährlichen Treibhausgasemissionen einer Person in Deutschland.
- Haupttreiber sind der Transport der Banknoten und der Stromverbrauch von Geldausgabeautomaten (GAA).
Die folgende Grafik zeigt die prozentualen Beiträge der einzelnen Aktivitäten zur Gesamtumweltbelastung. Besonders relevant sind die Kategorien Klimawandel, Feinstaubemissionen und Versauerung, die vor allem durch fossile Brennstoffe im Transport und Stromverbrauch entstehen.

Folgende Verbesserungspotenziale wurden ermittelt:
- Einsatz emissionsarmer oder elektrischer Transportfahrzeuge.
- Umstellung auf einen grünen Strommix für Geldausgabeautomaten.
- Effizienzsteigerungen bei Transport und Energieverbrauch.
Im Vergleich zu anderen Konsumbereichen wie Mobilität oder Ernährung ist der ökologische Fußabdruck des Bargeldkreislaufs verschwindend gering. Dennoch zeigen die Ergebnisse, dass gezielte Maßnahmen die Nachhaltigkeit weiter verbessern können.
Zusammenfassung „Product Environmental Footprint (PEF)-Studie für Euro-Banknoten als Zahlungsmittel im Bargeldkreislauf für Deutschland“
Ziel der Studie
Ziel der Studie ist die Berechnung eines Product Environmental Footprint (PEF) für Euro-Banknoten als Zahlungsmittel im deutschen Bargeldkreislauf, mit einem speziellen Fokus auf die Banknoten-Ausgabe. Diese Untersuchung wird auf der Grundlage der PEF-Studie für die zweite Euro-Banknotenserie als Zahlungsmittel im Eurosystem durchgeführt und bezieht sich auf die Situation in Deutschland für das Jahr 2019. Es wird die Bewertungsmethode gemäss der Environmental Footprint (EF)-Methode Version 3.1 angewendet. Sie wurde von der Europäischen Kommission entwickelt, um eine einheitliche und transparente Berechnung der Umweltauswirkungen von Produkten zu ermöglichen.
Die funktionelle Einheit der Studie ist definiert als „durchschnittliche jährliche Barzahlungen einer Person im Jahr 2019 in Deutschland“. Dies bedeutet, dass die Umweltauswirkungen des Bargeldkreislaufs für Banknoten, basierend auf der durchschnittlichen Nutzung von Banknoten im Jahr 2019 durch Erwachsene in Deutschland, ermittelt werden. Die Untersuchung beschränkt sich auf die Phasen der Banknoten-Ausgabe, Verteilung, Nutzung und Entsorgung der Banknoten. Im Unterschied zur europäischen Studie wird die Herstellung von Banknoten nicht in die Analyse einbezogen.
Das Ziel der Studie ist es, ein gutes Verständnis für den ökologischen Fußabdruck des deutschen Bargeldkreislaufs zu entwickeln und Reduktionsmöglichkeiten für die Umweltbelastungen zu identifizieren. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, fundierte Entscheidungen über Maßnahmen zur Verbesserung der ökologischen Nachhaltigkeit des Bargeldkreislaufs zu treffen. Ausserdem wird die Relevanz des Bargeldkreislaufs für die in Deutschland verursachten Umweltbelastungen beleuchtet.
Sachbilanzdaten zum Bargeldkreislauf
Im Rahmen der PEF-Studie für den Bargeldkreislauf in Deutschland wurde eine detaillierte Sachbilanz (Life Cycle Inventory, LCI) erstellt, die alle relevanten Inputs und Outputs bezüglich Ressourcennutzung, Energieverbrauch und Emissionen der Banknoten im deutschen System umfasst. Die Datenerhebung für die Sachbilanz erfolgte auf Basis von Umweltdaten, die 2020 für das Jahr 2019 erhoben wurden. Diese Umweltdaten wurden von der Deutschen Bundesbank bereitgestellt und beinhalten Informationen zu den verschiedenen Akteuren im Bargeldkreislauf. Dazu gehören die nationale Zentralbank (NZB), die Wertdienstleister (WDL), die Kreditinstitute (KI) und der Handel.
Die Sachbilanz erfasst die Umweltauswirkungen aller relevanten Prozesse und Aktivitäten im Lebenszyklus des Banknotenkreislaufs, die in der Studie berücksichtigt wurden. Dazu gehören der Transport von Banknoten, der Energieverbrauch für die Bearbeitung und Echtheitsprüfung der Banknoten, die Verteilung von Banknoten über Geldausgabeautomaten (GAA), sowie der Verbrauch von Ressourcen und Materialien während der Verteilungs- und Nutzungsphase, einschliesslich der Entsorgung. Ein wesentlicher Bestandteil der Modellierung war die Zuordnung der Umweltdaten zu den entsprechenden Lebenszyklusphasen und Prozessen. Als Hintergrunddatenbank werden Datensätze aus der europäischen EF-Datenbank 3.1 der Europäischen Kommission verwendet.
Für die Modellierung der Sachbilanz (Life Cycle Inventory, LCI) wird die Software SimaPro 10.2 verwendet, eine bewährte Lizenzsoftware, die es ermöglicht, detaillierte Analysen der Umweltauswirkungen entlang des Lebenszyklus von Produkten und Dienstleistungen vorzunehmen.
Auswertung der Umweltbelastungen
Die Ergebnisse der PEF-Studie zur Umweltauswirkung des Bargeldkreislaufs in Deutschland ergeben, dass die Gesamtumweltbelastung für die funktionelle Einheit, die „durchschnittlichen jährlichen Barzahlungen einer Person im Jahr 2019 in Deutschland“, 80 µPt (gemessen in „Environmental Footprint“-Einheiten) beträgt.
Der Transport von Banknoten spielt eine wesentliche Rolle in der Gesamtumweltbilanz, da es sowohl nationale als auch grenzüberschreitende Transporte gibt, welche oft aus Sicherheitsgründen noch zusätzlich durch Begleitfahrzeuge geschützt werden müssen. Diese Ergebnisse verdeutlichen die Bedeutung von Effizienzsteigerungen und die potenzielle Rolle umweltfreundlicherer Transportmethoden, insbesondere durch den Einsatz von sparsamen, emissionsärmeren Fahrzeugen und Elektrofahrzeugen, dort wo es sinnvoll und möglich ist.
Aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen für den Banknotentransport müssen jedoch bis auf weiteres die herkömmlichen Spezialfahrzeuge eingesetzt werden, für die es aktuell keine adäquaten umweltfreundlichen Alternativen gibt. Mit voranschreitenden technischen Innovationen könnte der Banknotentransport künftig ökologisch nachhaltiger ausgerichtet werden, um den Treibhausgas-Ausstoß zu minimieren.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Energieverbrauch der Geldausgabeautomaten (GAA), die für die Bereitstellung von Bargeld an die Verbraucher notwendig sind. Diese Automaten verursachen durch ihren Strombedarf Umweltbelastungen. Besonders der Verbrauch von Strom aus nicht erneuerbaren Quellen stellt relevante Belastungen dar, die durch den Einsatz eines grüneren Strommixes gemindert werden könnte. Die Anteile der verschiedenen Aktivitäten an der Gesamtumweltbelastung werden in der Abbildung oben gezeigt.
Die Wirkungskategorie Klimawandel ist hinsichtlich der Bewertung der Gesamtumweltbelastungen am wichtigsten. Relevant sind hier die Emissionen von Kohlendioxid bei Transport und Energieverbrauch. Feinstaubemissionen und Versauerung wurden als weitere wichtige Wirkungskategorien identifiziert, wobei der Transport und die Nutzung fossiler Brennstoffe im gesamten System des Bargeldumlaufs für die verursachenden Emissionen verantwortlich sind.
Verbesserungsmöglichkeiten
Diese Belastungen lassen sich durch die Einführung umweltfreundlicherer Technologien in den Bereichen Transport und Energieversorgung reduzieren. Eine Umstellung auf einen erneuerbaren Strommix sowie die Verwendung von emissionsfreien Transportmethoden könnte die Klimaauswirkungen verringern und zur Reduktion von Feinstaub- und Versauerungswirkungen beitragen.
Eine Sensitivitätsanalyse, die verschiedene Szenarien zur Veränderung der Annahmen bezüglich des Stromverbrauchs untersucht, zeigt, wie stark dieser die Ergebnisse beeinflusst. Eine Reduktion des Strombedarfs der GAA könnte die Umweltauswirkungen des Bargeldkreislaufs in den Bereichen Klimawandel und Feinstaub signifikant senken.
Die Szenarioanalysen zeigen, dass durch eine ökologische Verbesserung des Strommixes sowie den Einsatz von Elektrofahrzeugen bzw. emissionsärmeren Fahrzeugen für den Banknoten-Transport die Umweltauswirkungen des Bargeldkreislaufs reduziert werden könnten.
Interpretation
In der Interpretation der Ergebnisse der PEF-Studie zum Banknotenumlauf in Deutschland werden die Ergebnisse im Vergleich zu Literaturwerten und Referenzwerten für Gesamtumweltbelastungen und Treibhausgasemissionen eingeordnet. Dabei werden auch die Auswirkungen des Banknotenumlaufs in Relation zu anderen Konsumbereichen, wie z.B. Mobilität und Ernährung betrachtet.
Laut der EZB-PEF-Studie beträgt der ökologische Fußabdruck für die durchschnittlichen jährlichen Barzahlungen einer Person in der Eurozone 101 µPt. Im Vergleich zur EZB-Studie, die auch die Produktion von Banknoten einbezieht, sind die Werte der aktuellen Studie niedriger, da sie sich nur auf den Banknotenumlauf ohne die Banknotenproduktion konzentriert. Rechnet man die Produktion bei den Ergebnissen der EZB-Studie raus, kommt man auf einen Gesamtpunktwert von ca. 88 µPt. Dieser ist in der gleichen Grössenordnung wie das Resultat der vorliegenden Studie.
Einordnung der Ergebnisse
Ein weiterer Vergleich zeigt, dass die CO₂-Emissionen der Barzahlungen im Eurosystem mit 1.43 kg CO₂ pro Jahr und Person (bei 7’176 Euro Barzahlungen im Jahr) einen sehr kleinen Anteil (0.017 %) an den gesamten Treibhausgasemissionen des Endkonsums einer Person in der EU haben.
Die Studie zeigt, dass der Banknotenumlauf einen minimalen Beitrag im Vergleich zur Gesamtumweltbelastung leistet. Die jährliche Umweltbelastung durch den Banknotenumlauf beträgt nur 80 µPt, was 0.0084 % der Gesamtbelastung eines EU-Bürgers ausmacht. In Deutschland liegt dieser Anteil noch niedriger bei etwa 0.0078%.
Die Studie vergleicht die Treibhausgasemissionen des Banknotenumlaufs mit denen anderer Konsumbereiche wie Mobilität, Ernährung und Energieverbrauch. Die Emissionen von CO2-Äquivalenten (CO2-eq.) durch den Banknotenumlauf in Deutschland betragen 1.26 kg CO₂ pro Jahr und Person. Dies stellt nur 0.01 % der jährlichen CO₂-Äquivalente der Treibhausgasemissionen einer Person in Deutschland dar, die bei etwa 12.5 Tonnen CO₂ pro Person und Jahr liegen. Dieser Anteil ist also verschwindend klein. Weiterhin zeigt die Studie Verbesserungspotentiale im Bargeldkreislauf auf, die die Umweltauswirkungen verringern und zu einer nachhaltigeren Zukunft beitragen können. Die größten Umweltauswirkungen entstehen durch den Energieverbrauch der Geldausgabeautomaten und den Transport der Banknoten. Zusammengefasst wird deutlich, dass der ökologische Fußabdruck des Banknotenumlaufs relativ gering ist, insbesondere wenn man ihn im Kontext von anderen Konsumaktivitäten betrachtet.
Die Studie wurde einer kritischen Prüfung durch Conrad Spindler von Greendelta geprüft.
Literaturhinweise zur Ökobilanz des Bargeldkreislaufs
Angelo Stefanel; Niels Jungbluth (2025) Product Environmental Footprint (PEF)-Studie für Euro-Banknoten als Zahlungsmittel im Bargeldkreislauf für Deutschland. ESU-services GmbH im Auftrag der Deutschen Bundesbank, Schaffhausen, Schweiz
Pressenotiz der deutschen Bundesbank, Frankfurt am Main, vom 17.11.2025 „Euro-Banknotenumlauf in Deutschland verursacht geringen Umweltfußabdruck„
Conrad Spindler (2025) Externes kritisches Gutachten: Product Environmental Footprint (PEF)-Studie für Euro-Banknoten als Zahlungsmittel im Bargeldkreislauf für Deutschland. GreenDelta GmbH Berlin