Aktuelle Erkenntnisse für Wasserversorger
Am 10. September 2026 durfte ich an der 61. Wasserwerkleitendentagung des Amts für Umwelt Thurgau in Bischofszell die Ergebnisse einer aktualisierten Ökobilanzstudie zu Trinkwasser und Mineralwasser vorstellen. Die Präsentationzur „Ökobilanz von Trinkwasser und Mineralwasser„ basierte auf einer Überarbeitung unserer Schweizer Studie zur Umweltbewertung von Trinkwasser und Mineralwasser und richtete sich insbesondere an Wasserwerkleitende, Brunnenmeisterinnen und Brunnenmeister.
Trinkwasser ist ökologisch klar im Vorteil
Die zentrale Frage der Untersuchung lautete: Wie gross sind die Umweltauswirkungen von Trinkwasser im Vergleich zu Mineralwasser? Dazu wurden der gesamte Lebensweg von Trinkwasser und verschiedene Szenarien für Mineralwasser analysiert – von der Gewinnung über Aufbereitung, Transport und Verteilung bis zum Konsum.
Die Ergebnisse bestätigen eine klare Aussage: Trinkwasser aus dem Hahn verursacht deutlich geringere Umweltbelastungen als Mineralwasser in Flaschen. Dies gilt sowohl für die Treibhausgasemissionen als auch für die Bewertung mit Umweltbelastungspunkten. Besonders ins Gewicht fallen bei Mineralwasser die Verpackungen sowie die Transportwege. Je weiter das Produkt transportiert wird, desto grösser werden die Umweltauswirkungen.

Der Lebensweg entscheidet
Für den Vergleich wurde ein Liter konsumiertes Getränk in der Schweiz als funktionelle Einheit definiert. Berücksichtigt wurden sämtliche Aufwendungen von der Wassergewinnung bis zum Einfüllen ins Trinkglas.
Beim Trinkwasser umfasst der Lebensweg die Gewinnung aus Quellen, Grundwasser oder Seen, die Aufbereitung, den Transport im Leitungsnetz und den Konsum. Beim Mineralwasser kommen zusätzlich die Herstellung und Entsorgung der Verpackungen sowie die Transport- und Logistikprozesse hinzu.


Wo entstehen die Umweltbelastungen beim Trinkwasser?
Ein überraschendes Ergebnis der Analyse ist die Verteilung der Umweltbelastungen innerhalb des Lebenszyklus von Trinkwasser. Etwa die Hälfte der Umweltbelastungen entsteht durch die privaten sanitären Installationen beim Konsumenten. Rund ein Viertel entfällt auf den Energieverbrauch der Trinkwasserversorgung. Der verbleibende Anteil wird durch Aufbereitung und Infrastruktur verursacht.
Daraus ergibt sich eine wichtige Erkenntnis: Konsumentinnen und Konsumenten können durch einen sparsamen Umgang mit Wasser einen erheblichen Teil der Umweltwirkungen beeinflussen. Gleichzeitig liegt für Wasserversorger der grösste Hebel bei der Optimierung des Energieverbrauchs sowie bei der effizienten Aufbereitung und Bereitstellung des Trinkwassers.
Sprudelwasser aus dem Hahn als sinnvolle Alternative
Eine weitere Fragestellung betraf den Vergleich verschiedener Konsumformen. Die Ergebnisse zeigen, dass Trinkwasser aus dem Hahn auch dann sehr umweltfreundlich bleibt, wenn es mit einem Sprudelgerät karbonisiert wird. Für Haushalte, die regelmässig kohlensäurehaltiges Wasser konsumieren, stellt dies eine ökologisch überzeugende Alternative zum Kauf von Flaschenwasser dar.
Die Studie empfiehlt deshalb:
- Hahnenwasser trinken, um die Umweltbelastung zu minimieren.
- Wasser kurz laufen lassen, um es natürlich zu kühlen, anstatt es im Kühlschrank aufzubewahren.
- Bei regelmässigem Konsum von Sprudelwasser ein Sprudelgerät verwenden.
- Transportbedingte Umweltbelastungen durch den Verzicht auf weit transportiertes Mineralwasser vermeiden.
Kennwertmodell für Wasserversorger
Für die deutschen Wasserversorger wurde ein Kennwertmodell vorgestellt, mit dem Wasserversorger eine vereinfachte Ökobilanz ihrer Trinkwasserversorgung erstellen können. Auf Basis betrieblicher Kennzahlen lassen sich Umweltbelastungen berechnen, Optimierungspotenziale identifizieren und Umweltinformationen für Kundinnen und Kunden bereitstellen. Ein solches Kennwertmodell kann von uns im Rahmen eines Projektes an verschiedene Fragestellungen angepasst werden.

Fazit
Die aktualisierte Studie bestätigt die hohe Umweltleistung der Schweizer Trinkwasserversorgung. Hahnenwasser bleibt aus ökologischer Sicht die mit Abstand beste Wahl für die tägliche Versorgung. Gleichzeitig zeigt die Analyse auf, an welchen Stellen Wasserversorger und Konsumierende gemeinsam zur weiteren Reduktion von Umweltbelastungen beitragen können.
Ich danke dem Amt für Umwelt Thurgau herzlich für die Einladung zur 61. Wasserwerkleitendentagung und für die Möglichkeit, die aktuellen Ergebnisse dieser Studie einem interessierten Fachpublikum vorzustellen.
- Jungbluth, N.; Ulrich, M. (2026): Ökobilanz von Trinkwasser und Mineralwasser. Vortrag an der 61. Wasserwerkleitendentagung des Amts für Umwelt Thurgau, Bischofszell, 10. September 2026. ESU-services GmbH, Schaffhausen.
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